Großes archäologisches Akademie-Projekt mit ostfriesischer Beteiligung
Das Forschungsvorhaben läuft über 18 Jahre und befasst sich mit der römischen Kaiserzeit
Aurich. An der Universität Bochum ist der Startschuss für ein neues Forschungsprojekt „Westgermanien im Wandel - Edition und multidisziplinäre Erforschung der nordwestdeutschen Kulturlandschaft während der römischen Kaiserzeit (1. bis 4. Jahrhundert)" gefallen. Das auf 18 Jahre angelegte Forschungsprojekt geht auf eine gemeinsame Initiative von Dr. Jan F. Kegler von der Ostfriesischen Landschaft, Professor Dr. Michael Baales von der LWL-Archäologie für Westfalen (Landschaftsverband Westfalen-Lippe) und Professor Dr. Wolfgang Ebel-Zepezauer von der Ruhr-Universität Bochum zurück. Das Projekt wird von den Akademien der Wissenschaften, vornehmlich der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften in Göttingen sowie der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste gefördert.
Das gemeinsame Forschungsprogramm der Wissenschaftsakademien, das sogenannte Akademien-Programm – dient der Erschließung, Sicherung und Erforschung weltweiter kultureller Überlieferungen. Es ist derzeit das größte Langzeit-Forschungsprogramm der Bundesrepublik Deutschland für geistes- und sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung. Ein erstes Projekt dieser Art in Ostfriesland ist an der Johannes a Lasco Bibliothek in Emden beheimatet und hat eine Laufzeit von 21 Jahren.
Das Forschungsprojekt „Westgermanien im Wandel“ soll in Ostfriesland unter anderen die römisch-kaiserzeitlichen Fundstellen „Westerholt - An der Mühle" und „Schweindorf - An't Breetland" wissenschaftlich auswerten und untersuchen. „Diese Fundstellen sind so groß und komplex, dass erst die Auswertung in einem so umfassenden Kontext tiefgreifende Erkenntnisgewinne erwarten lässt", erklärt Kegler.
Vier Themen behandelt das Projekt: Einerseits sollen die grenznahen Interaktionen der sogenannten Rhein-Weser- oder auch Nordseegermanen mit dem römischen Imperium betrachtet werden. Zusätzlich wirft das Projekt einen Blick auf die Siedlungsformen und Siedlungsentwicklungen der germanischen Siedlungen in Nordwestdeutschland. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Austausch, Handelsbeziehungen und den wirtschaftlichen Strukturen der Zeit. Schließlich soll auch der Wandel der Kulturlandschaft, Landwirtschaft und Umwelt- erforscht werden.
Dafür werden große Fundstellenkomplexe in fünf Beispielregionen untersucht. Dazu zählen die Dinkel-Vechte-Region, die Hellwegzone, der Nordseeraum, Bremen-Ammerland sowie Ostwestfalen. Im Rahmen des Projekts entsteht in den kommenden Jahren eine Edition der Quellen, also eine wissenschaftliche Aufarbeitung von archäologischen Fundstellen. Dies soll in Form von zahlreichen Dissertationen und einer großen Datenplattform geschehen, welche die Kerninformationen erschließbar und für das Partnernetzwerk auswertbar machen.
Rund sieben Jahre hat die intensive Antragsphase bis zur Bewilligung im Mai 2026 gedauert. Bei dem Projektstart in Bochum haben sich die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erstmals getroffen, um die inhaltlichen Arbeiten am Projekt zu koordinieren und zu beginnen.
Wissenschaftliche Partner kommen zu gleichen Teilen aus der archäologischen Denkmalpflege (Ostfriesische Landschaft, LWL-Archäologie für Westfalen, Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege) als auch von Forschungsinstituten und Universitäten (Georg-August-Universität Göttingen, Ruhr-Universität Bochum, Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung).