Im Gespräch mit Rysums Orgel
Das sechste Konzert des 23. Krummhörner Orgelfrühlings führte nach Rysum, wo
Rysum. „Unfassbar, dass auf nur einem Manual mit so wenigen Tasten so viel Musik möglich ist“, staunte Gemeindepastor Frederik Koßmann, nachdem Michael Bennett sein Konzert an einer der ältesten noch spielbaren Orgeln der Welt beendet hatte. Er habe beobachtet, dass Bennett sich nach unten gewandt habe, wo ein Pedal zu vermuten gewesen wäre – doch da ist bei der Rysumer Orgel nichts. Sie hat kein Pedal, und mit sieben Registern ist sie nicht gerade üppig ausgestattet. Dennoch gelang es Bennett, eine große Farbigkeit in die englischen Kompositionen des 17. Jahrhunderts zu bringen, die er für seinen ersten Auftritt beim Orgelfrühling ausgewählt hatte.
Michael Bennett an der Rysumer Orgel mit ihrem einen Manual und den sieben Registern, von denen vier noch original aus der Gotik stammen
Es war Musik, die auf der alten Orgel fremd und zugleich reizvoll klang. Neu im Reigen der Komponisten, die während des Festivals eine Rolle spielten, war Benjamin Cosyn, über den nicht viel bekannt ist. Er hat zwei Sammlungen mit Kompositionen seiner Zeit angelegt, wo auch seine eigenen Werke zu finden sind. Aus einem eher schmalen Konvolut wählte Bennett einige besonders klangvolle Werke aus, die auch auf der Rysumer Orgel für geradezu intime Momente sorgte. Tänze, Prelude, Lied, Canon, dazu Fantasien und eine marianische Antiphon – das war das Programm.
Wie auch schon bei den anderen Konzerten hätte man sich vom Organisten gerne einige Erklärungen über die musikalische Zusammenstellung des Programms erbeten, zumal – wie zu lesen war - Bennett eigene Forschungen zur historischen Aufführungspraxis betreibt. Allein die Kompositionen von Cosyn, dessen Musik so überaus reizvoll ist, wären es wert gewesen, näher beleuchtet zu werden. Das hätte das Verständnis für die Zeit der Virginalisten, aber auch für die Interpretationen des Organisten durchaus gefördert.
Eröffneten das Konzert: Festivalleiter Siek Postma und Gemeindepastor Frederik Koßmann
Bennett schloss sein Konzert mit einer Improvisation, die einigermaßen düster daherkam und die Leichtigkeit einer Komposition wie „Bull’s Goodnight“ in eine andere Sphäre versetzte. Bennett sei mit seiner Auswahl „in ein Gespräch mit der Orgel eingetreten“, das sich in der Improvisation in besonderer Weise verdichtet habe, wird Siek Postma anschließend resümieren. Er deutete zugleich an, dass man den jungen Organisten künftig wohl noch öfter erleben werde. Bennett hatte schon mit zehn Jahren beschlossen, sich der Alten Musik europäischer Komponisten zu widmen. Seinem Studium in New York schloss sich ein weiteres in Amsterdam an, wo er sich auf das Repertoire des 17. Jahrhunderts spezialisierte.
In ihrer ganzen optischen Pracht: die Rysumer Orgel
Im Anschluss an das Konzert wurde das Publikum ermuntert, sich die Orgel ruhig einmal genauer anzusehen. „Aber passen sie auf ihren Hinterkopf auf. Da oben ist es eher für Hobbits gemacht“, ulkte Pastor Koßmann. Damit konnte er aber keinen der Anwesenden schockieren, und so fanden sich viele Interessierte ein, die den Aufstieg über die enge Treppe auf die Orgelempore nicht scheuten. Der Organist hatte sein Konzert übrigens mit einer Zugabe beendet, einem Praeambulum von Buxtehude.
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events
In diesem Beitrag erwähnt
Krummhörner Orgelfrühling 2026
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Der Kalender zum Orgelfrühling
Fotograf Wolfgang Mauersberger hat zum zweiten Mal einen Tischkalender zum Krummhörner Orgelfrühling herausgegeben