„Jedes seiner Bilder geht von Emden aus“

Die Kunsthalle in Emden stellt in einer Kabinettausstellung Werke des gebürtigen Emder Künstlers Bodo Olthoff themengleichen Arbeiten ihrer eigenen Sammlung gegenüber

Im neu geschaffenen Ausstellungsraum im Erdgeschoß der Kunsthalle ist unterhalb eines Olthoff-Gemäldes die Seekiste eines Vorfahren von Bernhard Brahms zu sehen
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Wolfgang Mauersberger

Im neu geschaffenen Ausstellungsraum im Erdgeschoß der Kunsthalle ist unterhalb eines Olthoff-Gemäldes die Seekiste eines Vorfahren von Bernhard Brahms zu sehen

Emden. Da fehle etwas, hatte Kunsthallenstifterin Eske Nannen angemerkt und damit eine Stelle in einem der Ausstellungsräume zur Kabinettausstellung „Am Hafen“ gemeint. Irgendetwas Maritimes, das zudem Emder Bezüge habe, wünschte sie sich. Denn die Kunsthalle eröffnet das Jahr ihres 40-jährigen Bestehens mit einer Ausstellung, in der 20 Seestücke aus der eigenen Sammlung auf 40 Werke des gebürtigen Emder Künstlers Bodo Olthoff (geboren 1940) treffen. Da kam der 2019 verstorbene Emder Bernhard Brahms in den Blick. Der hatte zu Lebzeiten in seiner heimischen Bar eine Seekiste aus Familienbesitz stehen, die sich sehr gut in die neue Kabinettausstellung der Kunsthalle mit dem Titel „Am Hafen“ integrieren würde. Es dauerte einige Telefonate und Nachfragen, dann war die Seekiste aufgespürt. 

Kuratorin Ina Grätz legt in der ersten Ausstellung, die sie für die Kunsthalle kuratiert, den Fokus auf das graphische Werk Olthoffs. „Es zeigt in beeindruckender Weise seine technischen Fertigkeiten und die Vielfalt seiner bildnerischen Darstellungen.“ Olthoff habe den Wandel im Emder Hafen selber miterlebt, aber auch „Ozean-Erfahrungen“ gemacht und künstlerisch verarbeitet. „Aber jedes seiner Bilder geht von Emden aus.“
 

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Ina Grätz und Eske Nannen mit einem Ozean-Gemälde Olthoffs. Links an der Wand ein Gemälde von Maxim Kantor

Ina Grätz und Eske Nannen mit einem Ozean-Gemälde Olthoffs. Links an der Wand ein Gemälde von Maxim Kantor

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Die Kunsthistorikerin stellt ein Ölgemälde von Bodo Olthoff an den Beginn der Ausstellung. Es ist ein sonnengesättigtes Bild, aus dem die Mole in kräftigem Rot hervorsticht. „Sonntagmorgens zur Mole und anschließend Mittagessen im Deutschen Haus“, erinnert sich Eske Nannen und macht damit deutlich, wie sehr die Emder das kleine Molenfeuer an der Hafeneinfahrt, das seit langem nicht zugänglich ist, als wichtigen, identitätsstiftenden Ort schätzten.

In der Ausstellung folgen drei große Gemälde, die stilisierte Pfähle zeigen. Diese verorten Olthoff nicht nur als einen Maler zwischen abstrakt und gegenständlich, sondern sie vergegenständlichen ein wesentliches Merkmal der Stadt Emden: Sie ist auf Pfählen errichtet. Die Bilder verweisen somit auf das Fundament der Stadt. Aber auch Anklänge an den Hafen sind drin präsent, wenn man an die Dalben denkt. 
 

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Ina Grätz vor den Miniaturen von Bodo Olthoffs „Logbuch“, in dem er in Skizzen seine Seereise nach Lissabon nachvollzieht. Davor zwei große Bilder „Raumrot“

Ina Grätz vor den Miniaturen von Bodo Olthoffs „Logbuch“, in dem er in Skizzen seine Seereise nach Lissabon nachvollzieht. Davor zwei große Bilder „Raumrot“

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Der erste Kontrast ergibt sich durch die Konfrontation eines weiteren Molen-Bildes Olthoffs von 1983 mit Lyonel Feiningers Gemälde „Schwarze Welle“ von 1937. Der folgende Raum wird dominiert von kraftvoller Grafik, in der die Begegnung zwischen Arbeiten aus der Sammlung und denen von Olthoff in großer Dichte präsent ist. Dazwischen sind Gemälde platziert, so dass man Olthoff mal in Gesellschaft von Emil Nolde sieht, ein anderes Mal ist Maxim Kantor sein Gegenüber, dann wieder erweist sich Franz Radziwill als passender Nachbar. „Wir haben gar nicht gedacht, dass es so viele Seestücke in der Sammlung der Kunsthalle gibt“, sagt Ina Grätz, die gemeinsam mit Silke Oldenburg neue Direktorin der Kunsthalle ist. Sie kann sich über zwei kleinformatige Bilder amüsieren, die Matrosen an Land zeigen, wobei in dem einen Werkchen das Schwanken der abgebildeten Seeleute an schwere Schlagseite durch Alkohol denken lässt.

Insgesamt sind in der Kabinett-Ausstellung dreizehn Künstler vertreten, die den Titel „Am Hafen“ aus vielen Perspektiven mit unterschiedlichen Motiven füllen. Die Arbeiten von Bodo Olthoff sind erstmals in der Kunsthalle zu sehen. Da er „zu jedem Bild eine Geschichte erzählen“ könne, sind diese auf den jeweiligen Beschilderungen nachzulesen. Mit Blick auf das Thema „Hafen“ bildet jedes dieser Schilder als grafisches Element den Wasserstandsanzeiger am Schiffsbug ab, so dass das durchgehende Styling der Ausstellung bis ins kleinste Detail wirksam wird. Verantwortlich dafür ist ein Bremer Ausstellungsarchitekt. 
 

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Silke Oldenburg, Ina Grätz und Eske Nannen in der Kabinettausstellung „Am Hafen“

Silke Oldenburg, Ina Grätz und Eske Nannen in der Kabinettausstellung „Am Hafen“

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Olthoff ist gelernter Grafiker und arbeitete auch in diesem Beruf. In Münster studierte er in den 70er Jahren Design und Kunst, Malerei an der Kunstakademie Münster / Düsseldorf. Fast 20 Jahre arbeitete Olthoff in seinem Atelier in Manslagt, ehe er mit seinem Atelier nach Aurich zieht.

⏵     Die Ausstellung „Am Hafen“ ist bis zum 2. August zu sehen

Veröffentlichungsdatum
Publiziert von

Wolfgang Mauersberger

(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events

In diesem Beitrag erwähnt

Museum

Kunsthalle Emden

Kunst der Moderne und der Gegenwart

Adresse
Hinter dem Rahmen 13, Emden
Hauptbild der Veranstaltung Ausstellung "AM HAFEN" Kunsthalle Emden

Ausstellung "AM HAFEN" Kunsthalle Emden

Kabinettausstellung AM HAFEN vom 21. März bis 2. August 2026 in der Kunsthalle Emden

Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.