Konzert mit Jan und Carl
An der Jost Sieburg-Orgel von 1642 / 43 spielte Organistin Alina Rotaru am dritten Abend des Krummhörner Orgelfrühlings ein reines Sweelinck-Programm
Westerhusen. Wie ein Roter Faden ziehen sich zwei Werke Jan Pieterszoon Sweelincks (1561 bis 1621) durch die Programme des 23. Krummhörner Orgelfrühlings: der „Ballo del Granduca“ – ein virtuoser, fröhlicher Tanz mit einigen Variationen, so schwungvoll, dass er mühelos in die Beine fährt. Und damit das Ganze auch recht farbig wird, setzte Rotaru den Zimbelstern der Orgel ein. Das zweite Werk ist ein seinerzeit populäres Lied „Onder een Linde groen“, das der „Orpheus von Amsterdam“ mit höchst fantasievollen Variationen versieht. Beides sind Werke, die sich schmeichelhaft in das Herz der Hörer stehlen – und dort gerne verweilen.
Spielte die Renaissance-Orgel von Westerhusen: Organistin Alina Rotaru
Alina Rotaru hatte einen Querschnitt durch das geistliche und weltliche Werk Schnittgers ausgewählt und dabei besonders Variationswerke in den Blick genommen, die belegen, wie kreativ der Niederländer verschiedenste Quellen aus Europa nutzte, um Material für seine Kompositionen zu gewinnen. Er bezog sich beispielsweise auf Lieder aus Deutschland (Mein junges Leben hat ein End), Frankreich (Ballo del Granduca) oder England (Malle Sijmen), dessen Melodie wiederum auf einem polnischen Tanz beruht. Damit demonstrierte er seine kompositorischen Fähigkeiten – und Alina Rotaru zeigte, wie schön sich das umsetzen lässt, wenn man ein Instrument der Zeit zur Verfügung hat. Die Orgel von Jost Sieburg wurde zwar erst 20 Jahre nach dem Tod Sweelincks gebaut, aber diese zeitliche Dimension ist zu klein, als dass die Musik aus der Schwelle zwischen Renaissance und Barock nicht wirkungsvoll darauf präsentiert werden könnte.
Großes Interesse: das Publikum des Krummhörner Orgelfrühlings
Ein Zusammenhang mit den englischen Virginalisten ist offensichtlich, denn wie das klingt, hatte ja Bernhard Klapprott im Eröffnungskonzert des Festivals ausführlich demonstriert, angelegt zwischen einer bestimmten Technik und einer hohen spielerischen Virtuosität. Diese ist Alina Rotaru ohne Zweifel zu eigen. Und besonders ihre Gabe, Musik, die Behändigkeit erfordert, so zu spielen, dass wirklich jeder einzelne Ton exakt zu hören ist, war offensichtlich. Darauf wies auch Siek Postma, Organisator des Orgelfrühlings, in seinem Dank ausdrücklich hin. Und das Fazit dieses schönen Konzertes? „Wer dies gehört hat – wer sollte da nicht Hoffnung schöpfen“, resümierte Postma und bezog sich auf das Motto des Orgelfrühlings „In spe gaudentes“ (Freut euch in der Hoffnung).
Anstecker mit dem Konterfei Jan Sweelincks für den Festivalleiter Siek Postma
Dem Leiter des Festivals war auch die Zugabe gewidmet: Der „Brabanschen ronden dans“ aus dem Susanne van Soldt Manuskript. Postma erhielt aber auch noch ein ganz persönliches Geschenk. Alina Rotaru war 2021 eingeladen, zum 400. Todesjahr von Sweelinck in Amsterdam zu konzertieren. Dazu gab es einen kleinen Anstecker mit dem Konterfei des Komponisten. Der gehört nun Postma.
Maskottchen Carl ist immer dabei, wenn Alina Rotaru spielt
Die Organistin hatte übrigens eine kleine Begleitung dabei. Seit acht Jahren begleitet sie das kleine Stofftier Carl. Der saß während des Konzertes auf der Brüstung der Orgeltribüne und leistete einer roten Kerze Gesellschaft.
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events
In diesem Beitrag erwähnt
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Fotograf Wolfgang Mauersberger hat zum zweiten Mal einen Tischkalender zum Krummhörner Orgelfrühling herausgegeben