Emden. Die Kunsthalle wird sich im 40. Jahr ihres Bestehens in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin präsentieren. Das kündigte Kunsthallendirektorin Silke Oldenburg im Rahmen des Langen Kunstabends, der an jedem ersten Dienstag des Monats stattfindet, an. Dabei wird ein Kunstwerk im Mittelpunkt stehen, das der Berliner Künstler Raul Walch gestaltet. Er plane – ausgehend von einem Storchennest in Tergast – assoziativ dazu zu arbeiten. Wie das Ganze aussehen werde, stehe noch nicht fest, sagte Walch, der erstmals in Ostfriesland war. Der gebürtige Frankfurter, der seit rund 25 Jahren in Berlin lebt, berichtete über sein künstlerisches Werk, das multidisziplinär angelegt ist. Derzeit arbeitet er etwa an dem Bühnenbild für eine Oper.
Walch (Jahrgang 1980) stellte im Gespräch mit Silke Oldenburg jene Projekte vor, durch die das Kunsthallen-Leitungsduo überhaupt auf ihn aufmerksam wurde: er arbeitet mit Wind und Wasser. Leere Masten in Berlin regten ihn an, Fahnen zu bemalen und damit Ausstellungen im öffentlichen Raum zu gestalten. „Dressing the wind“ nennt er solche Aktionen. Er gestaltet Segel, Flugdrachen und luftige Großmobiles aus unterschiedlichen Materialien und nimmt damit Stellung zu politischen, ökologischen und sozialen Themen. Aus „gefundenen“ Stoffen italienischer Provenienz arbeitet er Flaggen, die er mit eigenen Gestaltungen erweitert und so künstlerische „Entgegnungen“ formuliert.
Künstlerisch überarbeitete Segel
Walch ist am Morgen angereist und hat nach seiner Ankunft gleich angesehen, was ihn zunächst interessierte: Deiche – Schafe – Fischbrötchen und ein Stück Torte im Kunsthallen-Café, dem „Henri‘s“. Letzteres fand er so schmackhaft, dass es dem abendlichen Publikum wärmstens empfohlen wird. Ein Besuch beim Arbeitskreis Tergast, der ein Storchennest betreut, brachte Walch in Kontakt mit dem verabredeten Projekt. Er hatte zuvor über eine Live Webcam bereits seit Januar verfolgt, was sich bei den Störchen tut.
Der Künstler studierte mehrere Semester Soziologie und Lateinamerikanistik, ehe er zur Kunst wechselte. „Ich dachte nicht, dass man Kunst studieren muss“, erklärte Walch den Besuchern im Atrium der Kunsthalle. „Eigentlich wollte ich während des Studiums Wissen aufsaugen.“ Im Institut für Raumexperimente, einem experimentellen Bildungs- und Forschungsprojekt an die Universität der Künste Berlin, entwickelte Walch unter dem Gründungsdirektor, dem dänischen Künstler Olafur Eliasson, eigene Projekte – unter anderem in Äthiopien. Er betreibe grenzüberschreitende Kunst, ordnet Walch es selber ein. Pavillons auf dem Wasser – egal ob in Korea oder in Nordrhein-Westfalen oder auf dem Genfer See. Seine farbenfroh oder grafisch überarbeiteten Segel stießen bei den Bootseignern auf solche Begeisterung, dass „die Leute die Segel behalten wollten“. Er selber sei von den arbeitsintensiv gestalteten Segeln „fasziniert“, obwohl er selber „keine Ahnung“ vom Segeln habe.
Im Wind wehende Fahnen, bei denen Walch kostbare italienische Stoffe mit eigenen Strukturen erweitert und damit Textilien in den Dialog setzt.
Walch behält sein Wissen nicht für sich. Gemeinsam mit Interessierten baut er Fahnen in Miniatur, gestaltet Flugdrachen, zaubert Mobiles, die er selber überdimensional gestaltet und teilweise unter Verwendung von „Altmaterial“ realisiert, das sind zum Beispiel Stoffe, die Risse bekommen haben oder deren Farben schon etwas ausgebleicht sind. Zweitverwendung ist für Walch eine sinnvolle Sache, um seine „Praxis der Überarbeitung“ fortzuführen.
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Langer Kunstabend
Genießen Sie einen entspannten Abend im Museum: Dank der Aloys Wobben Stiftung ist der Eintritt frei