Kurzweiliger Talk mit einer vitalen Pastorin

Ina Jäckel berichtete am Langen Kunstabend der Kunsthalle Emden über ihren aufregenden Alltag

Ina Jäckel und Ina Grätz
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Wolfgang Mauersberger

Emden. Vier Kinder, voll berufstätig als Pastorin, Auftritte im Fernsehen im Rahmen der Reihe „Dingenskirchen“, 50 000 Follower auf Instagram – Ina Jäckel lebt einen schwindelerregend aufregenden Alltag. „Aber ich habe es ja so gewollt“, sagt sie selber – und das herzliche Lächeln gibt sie trotz aller Belastungen nicht auf. 

Nun war Ina Jäckel in der Kunsthalle zu Gast. Im Rahmen des monatlich stattfindenden Langen Kunstabends war sie Gesprächspartnerin von Kunsthallen-Direktorin Ina Grätz im sehr gut besuchten Atrium und plauderte über Biographisches, Berufliches und den Zusammenhang zwischen Theologie und Kunst.
 

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Sehr gut besucht war die Veranstaltung im Atrium der Kunsthalle Emden

Sehr gut besucht war die Veranstaltung im Atrium der Kunsthalle Emden

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Beruflich fing für die spätere Pastorin in der Schule alles zögerlich an. Mal wollte sie Tierärztin werden, mal nach der 10. Klasse abgehen und sich ins Kaufmännische orientieren, mal Latein und Germanistik studieren. Schließlich „landete“ sie bei der Theologie. Über Nacht sei ihr dann irgendwann klar geworden, dass sie Pastorin werden wollte, obwohl das Studium „trocken, lang und anstrengend“ werden würde. 

Studium in Göttingen, Vikariat in Remels, erste Pfarrstelle in Brokel. Dann kündigten sich zum ersten Kind Zwillinge an. Es wurde deutlich, dass Unterstützung nötig werden würde. Also zurück nach Zuhause, nach Leer. Dort fand sich dann tatsächlich auch eine vakante Pfarrstelle. 2017 zog Familie Jäckel um. 2019 kam das vierte Kind zur Welt. Und dann kam – Corona. 

Ina Jäckel begann, mit Instagram zu experimentieren, um Kontakt zu ihrer Gemeinde zu halten. Sie stellte kleine Andachten ins Netz sowie Bilder der Familie aus dem Pfarrgarten. Zu ihrer eigenen Verwunderung kam das gut an – bei den Gemeindegliedern, aber auch bei Menschen weit darüber hinaus. Schließlich ließ sie ihre wachsende Fan-Gemeinde an ihrem beruflichen Alltag teilhaben – von der Sitzung zur Beerdigung, vom Taufgespräch zum Konfirmandenunterricht, von der Seelsorge zur nächsten Sitzung. Das Interesse der Follower wuchs und liegt heute bei rund 50 000, erläuterte Ina Jäckel. 500 bis 600 Mails erreichen sie täglich. „Und ich bemühe mich, sie zu beantworten.“ Insbesondere tiefer gehende Nachfragen und Mitteilungen fordern dabei ihre seelsorgerliche Aufmerksamkeit. Wie sind die Reaktionen innerhalb der Gemeinde, immerhin rund 3000 Menschen? „Überwiegend positiv.“
 

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Reges Gespräch: Ina Jäckel und Ina Grätz beim Talk am Langen Kunstabend

Reges Gespräch: Ina Jäckel und Ina Grätz beim Talk am Langen Kunstabend

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Dass durch die Aktivitäten im Netz auch unangenehme Situationen entstehen, verhehlt sie nicht. Damit umzugehen, habe sie erst lernen müssen, zumal manche Reaktionen „sehr unter der Gürtellinie“ anzusiedeln waren. „Ich glaube nicht, dass mir Menschen so etwas ins Gesicht sagen würden.“ Aber eine Frau auf der Kanzel, noch dazu eine, die ihre eigene Meinung nicht nur äußere, sondern auch vertrete – das erwecke offenbar nicht nur Zustimmung, sondern auch Widerspruch.

Das Digitale ist für Ina Jäckel Teil des Alltags geworden. Und sie sieht auch für die Kirche generell Möglichkeiten, sich digital besser zu präsentieren. „Kirche, das ist nicht der alte Mann mit Bart und Bibel unter dem Arm. Kirche findet auch nicht nur sonntags statt“, argumentierte Ina Jäckel und verweist auf die vielfältigen Einrichtungen von Kirche und die zahlreichen Möglichkeiten, die sich bieten. Ihr Fazit lautet ganz entschieden: „Kirche muss digital werden!“  
 

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Die Lithografie "Der Regenbogen" aus der Serie "Die Sündfluth" von Lovis Corinth

Die Lithografie "Der Regenbogen" aus der Serie "Die Sündfluth" von Lovis Corinth

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Die Kunsthalle zeigt derzeit als Kabinettausstellung eine Folge von acht Zeichnungen des Künstlers Lovis Corinth zum Thema „Die Sündfluth“ (1. Buch Mose im Alten Testament). Die Zeichnungen aus dem Bestand der Kunsthalle sind Vorlagen für Lithographien, die Corinth 1923 herausgab. Den Zyklus der Arche Noah nutzte Ina Grätz, um das Gespräch auf die Begegnung von Theologie und Kunst zu lenken. Warum gerade diese Geschichte so oft im Zusammenhang mit Kindern auftauche? Es sei eben eine höchst plastische Geschichte, die bei Kindern ganz praktische Gedanken hervorrufen, meinte Jäckel. So habe sie Reaktionen erlebt wie die Frage, ob es an Bord der Arche denn nicht furchtbar stinke – bei so vielen Tieren. Symbole wie Regenbogen oder Taube erschlössen sich Kindern zudem sehr schnell. Vor allem aber würden sie den Wechsel des Gottesbildes – vom zürnenden zum gnädigen Gott – registrieren. 

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Museum

Kunsthalle Emden

Kunst der Moderne und der Gegenwart

Adresse
Hinter dem Rahmen 13, Emden

Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.