Lektüre – leicht, doch nicht leichtfertig

Die Emderin Ilka Gerdes schreibt Strandkorbkrimis. Gerade ist der zweite Titel erschienen.

Ausschnitt aus dem Titelbild von „Die Müllers und das Inselzebra“
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Gmeiner-Verlag

Ausschnitt aus dem Titelbild von „Die Müllers und das Inselzebra“

Emden. Was sind Strandkorbkrimis? Die Worterfindung ihres Verlags umgreift ein Vielfaches dessen, was Ilka Gerdes gerne schreibt. In den Romanen der 40-Jährigen tummelt sich das Leben. Krimi – Ja, aber nicht nur, Komödie – auch Ja, aber auch nicht nur. Problematisches Eheleben, regionale Besonderheiten, gesellschaftliche Absonderlichkeiten – von allem findet sich etwas in ihren Büchern. Es ist Lektüre für den Strandkorb – leicht und doch nicht leichtfertig.

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Ilka Gerdes mit dem zweiten Teil der „Müller-Reihe“.

Ilka Gerdes mit dem zweiten Teil der „Müller-Reihe“.

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Ihrem Erstling „Die Müllers und die Pekingente“ schickt sie nun „Die Müllers und das Inselzebra“ hinterher. Und wie man schon am Titel merkt, ist eine ganze Portion Humor zu erwarten. Die Protagonisten – Ehepaar Petra und Kalle Müller, samt Dackel-Rüde „Hildegard“ (wie es zu dieser Namensgebung kam, erfährt man im Verlauf des Textes) – verschlägt es im ersten Band nach Borkum, wo ein unglaublicher Strandfund zum Auslöser so mancher skurriler Entwicklung wird, die letztlich auch die Eheprobleme der beiden – zumindest auf Zeit – löst. Der zweite Titel setzt dieses Szenario fort. Wieder gibt es kriminelle Vorfälle, die für das Ehepaar aus dem Westerwald eine neuerliche Reise nach Borkum nötig machen, und wieder geraten die beiden in geradezu wahnwitzige Situationen.

Ilka Gerdes hat viel recherchiert – speziell zum Thema Kokain. Denn diese Droge spielt in beiden Bänden eine wichtige Rolle. Was dabei rauskam, ist in der Realität keineswegs schmeichelhaft für die ostfriesische Halbinsel. Denn anscheinend ist die Nähe zu den großen niederländischen Häfen eine Verlockung, die Droge weiter zu transportieren. Zum Beispiel, indem Taucher vorbeifahrenden Kreuzfahrtschiffen Kleinpackungen an die Außenhaut heften, die dann im „Bestimmungshafen“ wieder abgenommen werden. „So transportiert sich die Droge quasi von selber“, resümiert Ilka Gerdes.

Informationen über das heikle Thema holt sie nicht nur durch eigene Recherchen ein. Viele Hinweise erhält sie bei ihren Lesungen. Da ist der Elektriker, der bei seiner Arbeit an einem Schaltkasten rund ein Kilo Koks gefunden hat. Oder die Touristin, die am Borkumer Strand gar eine Tonne des Suchtmittels entdeckte. Und darüber hinaus freut sie sich, dass sich die Besucher ihrer Lesungen gut unterhalten fühlen. Manches Mal staunt sie selber, wie Veranstaltungen ablaufen. Bei einer Lesung in Rhauderfehn hatte sie angesichts von Temperaturen um die 40 Grad nicht damit gerechnet, dass überhaupt jemand kommt. „Und dann saßen da etwa 70 Leute.“ 

Die Lesungen organisiert Ilka Gerdes selber. Dabei sind ihrer Kreativität, was das Auffinden passender Orte und Mitstreiter angeht, keine Grenzen gesetzt. So liest sie auf Borkum und Baltrum, ist im ostfriesischen Binnenland unterwegs. Und ihr neues Buch hat sie kürzlich auf einem Schiff im Emder Delft präsentiert. 

Rund ein halbes Jahr hat sie an ihrem zweiten Buch geschrieben – neben ihrer beruflichen Arbeit. Aber das ist nicht der ganze Zeitaufwand. Nach der Reinschrift lässt Ilka Gerdes das Manuskript erst einmal liegen. „Die Sache muss reifen“, sagt sie. Dann schickt sie ihrem Verlag vorab ein Exposé zu, damit der entscheiden kann, ob überhaupt eine Chance besteht, das Werk zu verlegen. Dann wird lektoriert, korrigiert, nachgearbeitet, ein Umschlag konzipiert, es gilt Texte für die Klappen zu schreiben und immer wieder in der Zusammenarbeit mit ihrer Lektorin kleine Unstimmigkeiten auszumerzen. Am meisten Spaß macht der Autorin, die derzeit schon am dritten Band ihrer Müller-Reihe arbeitet, der eigentliche Schreibprozess. Dann kann sie ihre Phantasie ausleben und in ihrer Geschichte „abtauchen“.

Und die Müllers? Wie geht es mit denen weiter? Nachdem ein fataler Irrtum aufgeklärt wurde, der fast zum Scheitern der gerade erst geflickten Ehe geführt hätte, tun sich mit einem Mal ganz neue berufliche Möglichkeiten für Kalle auf. Und die Liebe? Da wird sich Ilka Gerdes im dritten Band ihrer Strandkorbkrimis sicherlich einiges einfallen lassen.

Die Autorin wurde in Emden geboren, wuchs in Groß-Midlum auf, studierte Sprach- und Erziehungswissenschaften – und eines war gewiss: nach Ostfriesland wollte sie nicht zurück. Hamburg sollte es sein! Doch letztlich kam es anders. Sie fand Arbeit bei der Agilio gGMbH, studierte nebenbei Soziale Arbeit und ist nun seit 17 Jahren im Betrieb tätig.

Hobbys hat sie viele. Neben dem Schreiben und sportlichen Betätigungen liebt die Jungautorin Gartenarbeit. Zudem spielt sie Schlagzeug in einer vierköpfigen Band, für die sie auch Songtexte schreibt. 

▶      „Die Müllers und das Inselzebra“, 280 Seiten, ISBN 978-3-8392-8095-9. Das Buch kostet 14 Euro und ist im Gmeiner-Verlag in Meßkirch erschienen, info@gmeiner-verlag.de

Ina Wagner (amuthon@gmx.de)

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Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.