Aurich. Auf Ausstellungseröffnungen trifft man ihn eigentlich immer, ob sie nun in Leer, Aurich, Emden, Weener oder Jemgum stattfinden. Stets fällt der wache, aufmerksame Blick auf, aber auch seine feine Zurückhaltung. Dr. Walter Baumfalk ist passionierter Sammler von Kunst. Es muss aber solche sein, die von Ostfriesen oder in Ostfriesland geschaffen wurde. Dann ist er entflammt. Seine Überzeugung: auch in der kleinen Region im Norden wird hochklassige Kunst geschaffen. Und die kauft er – nach ausführlichen Atelierbesuchen und Gesprächen mit den Künstlern. Denn als Jurist geht Baumfalk der Sache gerne auf den Grund.
Vernissage im Kunsthaus Leer: Dr. Walter Baumfalk im Publikum
Ausfluss dieses intensiven Interesses, dass ihn seit Jahrzehnten beschäftigt, ist ein besonderes Werk, das er 2025 in dritter und jeweils erweiterter Auflage herausgegeben hat – das Künstlerlexikon für Ostfriesland. Hier hat er mehr als 400 Kurzbiographien von Künstlern seit etwa 1900 versammelt, die ein Bild davon vermitteln, wie rege die Kunstwelt in der Region sich darstellt.
Seine eigene Sammlung von mehr als 600 Werken, die er in seinem Haus in Aurich bewahrte, gab Baumfalk 2011 an 1820dieKUNST für das Ostfriesische Landesmuseum Emden. „Das besteht schon so lange, da kann man wohl sicher sein, dass es auch weiterhin Bestand haben wird“, sagte er damals als Begründung für die Entscheidung, seine Sammlung an das größte Haus Ostfrieslands zu geben. Die Arbeiten gingen ein in die „Stiftung für bildende Kunst und Kultur in der deutsch-niederländischen Ems-Dollart Region“ (kurz: Stibiku), die treuhänderisch von der „Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer seit 1820“ verwaltet wird. Baumfalk selber ist in der Stiftung als stellvertretender Vorsitzender aktiv.
Baumfalk, der in Jever das Abitur ablegte und bis zum Eintritt in den Ruhestand 1998 als Richter am Landgericht Aurich tätig war, sammelt weiter. Nicht nur Kunst, sondern auch Künstler, die in seinem Lexikon Aufnahme finden, wenn eine neue Auflage angesagt ist. Mittlerweile nehmen aber seine monografischen Arbeiten deutlichen Raum ein: über Ewald Matarés Aufenthalte auf Spiekeroog und Wangerooge, wo dieser zu seiner eigentümlichen Kunstsprache fand, über Karl Bösch, über die Silhouetten-Schneiderin Anna de Wall, die zu Unrecht fast vergessen war, betont Kunsthistorikerin Dr. Annette Kanzenbach, die als Geschäftsführerin der StibiKu tätig ist und den Sammler Baumfalk seit langem begleitet.
Entflammt für ostfriesische Kunst: Dr. Walter Baumfalk
Das Sammeln begann Baumfalk in den 70er Jahren – gemeinsam mit seiner 1995 verstorbenen Frau Ingeborg Baumfalk, geb. Lüpke. Und weil er in den weit mehr als 50 Jahren, die ihn seine Leidenschaft nun schon beschäftigt, so viele Künstler kennenlernte, ging er auch gerne auf Wünsche ein, deren Ausstellungen zu eröffnen. Seine kundigen Manuskripte fasste Baumfalk 2013 in der Veröffentlichung „Von Künstlern und Bildern in Ostfriesland“ zusammen – Vorarbeit für das seit 2016 herausgegebene Künstlerlexikon. Darüber hinaus hatte Baumfalk in seiner Zeit als Jurist mehrerer Lehrbücher zum Zivilprozessrecht herausgegeben. Weiterhin ist er Gründungsmitglied des Vereins zur Förderung der regionalen bildenden Kunst in Ostfriesland e.V. und Vorstandsmitglied des Kunstvereins Norden e.V.
Der Sammler arbeitet im Stillen und legt keinerlei Wert auf besondere Anerkennung. Seine Bescheidenheit ist kein Ausdruck einer Attitüde, sondern seines Charakters. Er arbeitet in allem, was er tut, ehrenamtlich. Und so war es der Ostfriesischen Landschaft ein Anliegen, ihn 2017 mit der Verleihung des Indigenates zu ehren.
Dr. Walter Baumfalk feiert am 16. Juli seinen 90. Geburtstag.
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events
In diesem Beitrag erwähnt
Von Beuys bis Richter - alles Kunst
Künstlerlexikon Ostfriesland