„Man fühlt sich hier willkommen!“

Das zweite Konzert des Krummhörner Orgelfrühlings führte in die Kreuzkirche von Pilsum

Blick in das Gewölbe der Kreuzkirche von Pilsum
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Wolfgang Mauersberger

Blick in das Gewölbe der Kreuzkirche von Pilsum

Pilsum. „So voll habe ich die Kirche ja noch nie gesehen“, staunte der organisatorische Leiter des Krummhörner Orgelfrühlings, Pastor Siek Postma, mit einem Blick in das Schiff der Pilsumer Kreuzkirche. Dabei war die Bezeichnung „voll“ noch untertrieben, denn es gab keinen freien Platz, als Organist Léon Berben die Registerzüge einrichtete und sein Spiel mit Scheidemanns prächtigem „Praeambulum ex e“ begann. Nach dem Konzert äußerte dieser sich ebenfalls sehr angenehm überrascht über die große Besucherzahl. „Man fühlt sich hier willkommen“, bescheinigte der niederländische Komponist den Gästen, die ihn mit großem Applaus verabschiedet hatten.

Bild
Organist Léon Berben an der Orgel des Valentin Ulrich Grotian von 1694

Organist Léon Berben an der Orgel des Valentin Ulrich Grotian von 1694

Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Wolfgang Mauersberger

Léon Berben, der nicht zum ersten Mal beim Orgelfrühling dabei ist, hatte sein Programm in einer Mischung aus weltlicher und geistlicher Musik angelegt. Tanzmotive und heitere Lieder waren dabei ebenso vertreten wie österliche Reminiszenzen, etwa in Scheidemanns „Christ lag in Todesbanden“. Auch dies als ein Zeichen der Hoffnung verstanden, spielte Berben mit dem Motto des Festivals, für das er ganz zum Schluss den Begriff „Schönheit“ synonym setzte. Dies bezog sich unter anderem auch auf eine Zugabe, die Komposition eines englischen Anonymus, die Berben mit einem „Spaziergang im Grünen“ verglich.

Bild
Nicht nur das Kirchenschiff war voll besetzt, auch im Bereich hinter der Kanzel hatten Gäste Platz genommen

Nicht nur das Kirchenschiff war voll besetzt, auch im Bereich hinter der Kanzel hatten Gäste Platz genommen

Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Wolfgang Mauersberger

Auch zum Erklingen kam eine Toccata über „In te Domine speravi“, die der sogenannten „Tabulatura Nova“ des Samuel Scheidt entstammte. Diese ist eine bedeutende Sammlung von Kompositionen für Tasteninstrumente. Dem stand mit der Komposition „In dich hab ich gehoffet“ das deutsche Pendant von Heinrich Scheidemann gegenüber. Beide, Scheidt und Scheidemann, waren Schüler Jan Pieterszoon Sweelincks und gehörten zu den Großen der norddeutschen Orgellandschaft ihrer Zeit. Und so stand ein Werk Sweelincks - „Balleth del Granducca“ (Der Ball des Großherzogs) - dann auch auf dem Programm, ein festliches Musikstück, das durch seine vielfältigen Variationen attraktive Wirkung entfaltet.

Schon Bernhard Klapprott hatte diese Komposition in seinem Eröffnungskonzert als Programmstück gewählt. Doch obwohl es vom Instrument her ein Ungleichgewicht gab – 16 Register auf zwei Manualen und angehängtes Pedal in Pilsum gegen neun Register auf einem Manual in Uttum – ließ sich nicht sagen, welche Fassung mehr Charme entwickelte. Am Schluss stand ein ausdrucksvolles Praeludium, dieses Mal von Scheidemann, mit welchen Berben das offizielle Programm rauschhaft beendete.

Veröffentlichungsdatum
Publiziert von

Wolfgang Mauersberger

(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events

In diesem Beitrag erwähnt

Hauptbild der Veranstaltung Krummhörner Orgelfrühling 2026: Eröffnungskonzert in Uttum

Krummhörner Orgelfrühling 2026

Orgelkonzert-Reihe in der Krummhörn.

Gotteshaus

Ev.-ref. Kirche Pilsum

Adresse
Zur Kreuzkirche 5, Krummhörn Pilsum

Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.