Mit Odysseus auf Reisen

Emder Museumsnacht in der Johannes a Lasco Bibliothek

Zu den Kurzvorträgen und dem Podium fanden sich viele interessierte Besucher ein
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Zu den Kurzvorträgen und dem Podium fanden sich viele interessierte Besucher ein

Emden. Die Johannes a Lasco Bibliothek hat bei der Emder Museumsnacht großen Zuspruch verzeichnen können: rund 560 Besucherinnen und Besucher ließen sich vom Motto „Die Welt erlesen“ in die Bibliothek locken. Dr. Michael Weichenhan, Organisator der Veranstaltung, zeigte sich von der Resonanz angenehm überrascht. Schon im letzten Jahr hatte das Konzept überzeugt, als die Museumsnacht unter dem Titel „Von Menschen und Büchern“ firmierte. Da waren rund 500 Gäste durch das Haus flaniert, hatten sich die Kurzvorträge und eine Podiumsdiskussion angehört sowie die Ausstellung „Highlights aus sechs Jahrhunderten“ zum 30-jährigen Bestehen der Bibliothek angesehen.

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Auch eine Möglichkeit zu reisen: Hochrad, ausgeliehen aus dem Ostfriesischen Zweiradmuseum im Eingangsbereich der Bibliothek.

Auch eine Möglichkeit zu reisen: Hochrad, ausgeliehen aus dem Ostfriesischen Zweiradmuseum im Eingangsbereich der Bibliothek.

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Das grundlegende Konzept war in diesem Jahr dasselbe. Nur das Thema wechselte, ebenso wie der Inhalt der Ausstellung, die sich nun mit „500 Jahren Religionsgespräch von Oldersum“ beschäftigte. Zusätzlich hatte Weichenhan aus dem reichen Schatz an Reiseliteratur, den die Bibliothek beherbergt, eine Auswahl getroffen und in Vitrinen ausgestellt. Darunter befanden sich auch Atlanten und Kartenwerke, die das „Reisen“ mittels Land- und Seekarten thematisieren. In weiteren Vitrinen lagen alte Ausgaben der „Odyssee“ und moderne Fassungen aus, Reiseberichte von Forschungsreisen sowie Werke aus dem Bereich Utopie und Sciencefiction.  

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 Begrüßte und stellte Atlanten und Sciencefiction-Literatur vor: der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde der Johannes a Lasco Bibliothek, Harald Groenewold

Begrüßte und stellte Atlanten und Sciencefiction-Literatur vor: der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde der Johannes a Lasco Bibliothek, Harald Groenewold

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Weichenhan selber empfand den Abend als „gelungene Veranstaltung“, und die Reaktionen der Besucher waren durchweg positiv. Besonders angesprochen wurde das hohe Niveau der Vorträge, die von ihm selbst und dem Vorsitzenden der Gesellschaft der Freunde der Johannes a Lasco Bibliothek, Harald Groenewold, gehalten wurden. 

Gleich beim ersten Vortrag über die Odyssee füllte sich der Saal auffällig. Stühle mussten hinzugestellt werden. Weichenhan begann mit der antiken Fassung des Homer, in der der Held nach Hause strebt. Er weitete den Blick sodann auf die Fassung Dantes, entstanden um 1315, in der Odysseus gerade nicht nach Hause, sondern in die Ferne will. Einbezogen wurde auch das mächtige Epos von Nikos Kazantzakis, dessen „Odyssee“ mit 33 333 Versen deutlich umfangreicher ist als jene Homers. Hier endet die Suche des Helden nach sich selbst am Südpol und nimmt damit das „Schicksalslied“ von Friedrich Hölderlin auf: Menschliches Leben vollzieht sich als ruheloses, unablässiges Wandern, als beständige Reise. 

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Initiator der Museumsnacht in der Bibliothek: der Wissenschaftshistoriker Dr. Michael Weichenhan

Initiator der Museumsnacht in der Bibliothek: der Wissenschaftshistoriker Dr. Michael Weichenhan

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Eingangs hatte Harald Groenewold die Begrüßung anhand des Buches „Abenteuer eines Lesers“ von Italo Calvino vorgenommen und dabei festgestellt, dass es keinen Tag gibt, der nicht mit Geschichten gefüllt ist. Groenewolds erster Vortrag beschäftigte sich mit Kartenwerken, die es ermöglichen „zu reisen, ohne sich fortzubewegen“. Groenewold setzte Karten mit Weltbildern gleich, in die sich Denk- und Erinnerungsräume eingeschrieben haben. Karten könnten aber auch zu Machtinstrumenten werden, sagte Groenewold und verwies beispielhaft auf den Versuch des US-Präsidenten, den Golf von Mexiko umzubenennen.

Forschungsreisen waren ein weiteres Thema der Museumsnacht, das am Beispiel von Alexander von Humboldt und Charles Darwin durchdekliniert wurde. Ausgangspunkt dieser Reisen sei die Unzufriedenheit mit bestehenden Wissensständen, sagte Weichenhan. Exemplarisch entwickelte er dann die von Darwin aufgestellte Evolutionstheorie, die auf Variation und natürlicher Selektion beruht und ein Bild der Natur entwirft, das Raum und Zeit verbindet.

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Waren immer zur Stelle, wenn Hilfe benötigt wurde: die Ehrenamtlichen der Johannes a Lasco Bibliothek

Waren immer zur Stelle, wenn Hilfe benötigt wurde: die Ehrenamtlichen der Johannes a Lasco Bibliothek

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Eine andere Gattung sind utopische Reisen – in der Zeitmaschinen, Androiden, Roboter eine Rolle spielen. Harald Groenewold stellte vor allem die Frage in den Raum, was Menschen mit der Technik anstellen dürfen und fragte nach der ethischen Verantwortung, die in der technischen Zukunft begründet liegt. Groenewold schloss auch den Abend mit drei Gedichten von Josef von Eichendorff.

In die Mitte des Abends platziert war ein Podiumsgespräch, in dem es um die „Ewige Sehnsucht nach der Ferne“ ging. Dabei äußerten sich Groenewold und Weichenhan zu der Zweideutigkeit von „Lesen im Lehnstuhl“ und dem wirklichen Reisen. In dem Gespräch, in dem das Motiv der Odyssee latent eine Rolle spielte, ging es aber auch um den gleichnamigen Film von Christopher Nolan, der die aktuellste Adaption des antiken Epos darstellt.

Begleitet wurde das inhaltliche Programm von einem Stand der Buchrestauratorin Diana Smidt, die unter anderem unterschiedliche Materialien für Bucheinbände zeigte, die aber auch Vorzeige-Objekte dabei hatte - Bücher, Schachteln und Schuber. Ewa Emery und Gabi Frerichs hatten die Bibliothek für den Abend hergerichtet, wobei die Besucher schon am Eingang mit einer phantasievollen Installation zum Thema Reisen per Rad begrüßt wurden, wobei das Zweiradmuseum Wybelsum als Exponat ein Hochrad zur Verfügung gestellt hatte. Eine orientalische Ecke prunkte mit einem Krokodil, und erstmals gab es auch eine Kinderspielecke. Benjamin Thon ließ die Bibliothek in prächtiger Beleuchtung erstrahlen. Und wie schon im letzten Jahr waren zahlreiche Ehrenamtliche gekommen, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen.  

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Bildungsort

Johannes a Lasco Bibliothek Emden

Adresse
Kirchstr. 22, Emden
Hauptbild der Veranstaltung Kultursommer: Museumsnacht

Kultursommer: Museumsnacht

Samstag, 08. August 2026 ab 18 Uhr in verschiedenen Museen

Museum

Ostfriesisches Zweiradmuseum

Adresse
Folkertswehrstraße 7, Emden / Wybelsum

Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.