Pausenloser Beschuss mit delikaten Themen
Die Transvaaler Spöldeel präsentierte mit „Botox deluxe“ in der Pumpstation einen Zweiakter, der es in sich hatte
Emden. Am Ende des Stückes erfolgte eine Entschuldigung. Das war charmant, aber nicht nötig. Denn es war schnell klar, dass die angekündigte zweiaktige Komödie viel Satirisches und Überzeichnetes auf die Bühne brachte. Da ging es heftig zur Sache, aber es war auch unheimlich komisch.
Zogen eine Show ab, die die Lachmuskeln strapazierte: Mareike Jentzsch und Carola Clemens
Sieglinde (Carola Clemens) und Renate (Mareike Jentzsch) wollen sich bei einem Chirurgen verschönern lassen. Sie kommen ins Gespräch. Und nun beginnt eine Lästerei, die umgreift, was den beiden zwar bisher nie ausgesprochen haben, was ihnen aber schon lange auf der Seele brennt: Körperlichkeit, Potenz, Fremdgehen, die Attraktivität von älteren Männern, die Wechseljahre, Fleischersatz, Lieblosigkeit, Ausnutzung von Lebenssituationen, die Rolle der Frau in der Sexualität. Es ging aber auch um den leidigen Haushalt, von dem man die Männer besser fernhält, so die beiden Protagonistinnen auf der Bühne. Es geht um vieles, und es geht bunt durcheinander.
Voller Saal in der Pumpstation: „Botox deluxe“ kam bestens an
Angefeuert von den Seelenwärmern Schokolade und Marillenschnaps ziehen die beiden vom Leder und lassen wenig aus. Mit wahrer Hemmungslosigkeit vorgebracht, wirkt die Litanei derart komisch, dass das Publikum im ausverkauften Saal der Pumpstation sich schallenden Gelächters nicht enthalten kann. Es war aber auch unglaublich erheiternd, wie sich die beiden den Ball zuspielten und dabei immer heftiger und offener miteinander austauschten. Jahrelang nicht Ausgesprochenes brach aus den beiden hervor wie Lava aus einem Vulkan.
Und je „betrunkener“ die beiden wurden, desto massiger wurden die Vorwürfe, desto ätzender kamen Konflikte auf den Tisch. Dass der pausenlose Beschuss mit delikaten Themen dem Publikum nicht zuviel wurde, lag unter anderem daran, dass Carola Clemens und Mareike Jentzsch so hinreißend lästerten, höhnten und meckerten. Sie ergänzten sich so perfekt, dass ihre Männer Werner und Manfred nichts zu lachen gehabt hätten, wenn sie denn Bestandteil des Stückes von Andreas Wening gewesen wären. So aber konnte sich das Publikum in der restlos ausverkauften Pumpstation genüsslich den oft genug sehr anzüglichen Details des Ehelebens hingeben. Übrigens genossen auch die anwesenden Männer den Abend und nahmen den beiden Spielerinnen ihr verbales Gewitter nicht übel.
Gesangliche Begleitung leistete Fam Pannen
Auch die Einbindung von Gesang passte wunderbar zum Stück, weil damit Distanz geschaffen wurde und ein weiteres Medium zur Geltung kam. Fam Pannen hatte dafür die richtige Stimme, mischte den Saal auf und sang unter anderem „Wenn Du nicht da bist“ von Ina Müller.
Auch die zweite Vorstellung am folgenden Abend war so schnell ausverkauft, dass das Stück gar nicht erst beworben wurde. Über den Veranstaltungsraum gab es allgemein nur lobende Bewertungen. Die Spöldeel Transvaal, zu der die beiden Spielerinnen gehören, gastiert eigentlich in der Aula der Cirksenaschule. In der Pumpstation gab es zwar weniger Plätze, aber das gemütlichere Ambiente.
⏵ Das Team: Fam Pannen (Regie), Mareike Büscher (Stönpaal), Sabine Ennen (Maske), Wolfgang Werner und Matthias Hoogestraat (Technik)
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events