Schmeichelhaftes in Freepsum
In den Reigen der historischen Orgeln, die im Rahmen des Krummhörner Orgelfrühlings vorgestellt werden, fügte sich in diesem Jahr ein Instrument aus dem Biedermeier ein
Freepsum. Der Krummhörner Orgelfrühling stellte in diesem Jahr neben den historischen Orgeln von Uttum, Pilsum, Rysum, Groothusen ein weiteres Instrument mit einer besonderen Geschichte vor: das Spätwerk des Orgelbaumeisters Wilhelm Caspar Joseph Höffgen (1773 bis 1849) aus Emden, das in der Kirche zu Freepsum steht. Die Orgel von 1836/39 befand sich in einem beklagenswerten Zustand, sodass sie 2006 stillgelegt wurde.
Landeskirchenmusikdirektor Winfried Dahlke an der Höffgen-Orgel in Freepsum
Doch das war nicht das Ende des Instrumentes, denn die Freepsumer beschlossen, das Instrument sanieren zu lassen. 200 000 Euro mussten beschafft werden. Zehn Prozent brachte die kleine Gemeinde selber auf, 50 Prozent kamen aus dem Sonderprogramm Denkmalschutz der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, wofür Bundestagsabgeordneter Johann Saathoff sorgte. Den Rest der benötigten Summe steuerten Stiftungen, Evangelisch-reformierte Kirche und die Gemeinde Krummhörn bei. Immerhin dauerte es fast ein Vierteljahrhundert, bis der Sanierungsauftrag erteilt werden konnte.
Dieser ging an den Orgelbauer Martin Hillebrand (Altwarmbüchen), und der versetzte sie in den historischen Zustand zurück und setzte auch zwei Bälge wieder in Betrieb, die noch getreten werden können.
Blick in den schlichten, rechteckigen Raum der Kirche
Als die grundlegende Renovierung der Biedermeier-Orgel 2023 abgeschlossen war, stellte Landeskirchenmusikdirektor Winfried Dahlke das Instrument, das als „von nationaler Bedeutung“ eingestuft ist, mit einem Konzert vor, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Freepsumer Orgel schlichter gestaltet sei als das Schwester-Instrument in Uphusen, dass es aber in der äußeren Gestalt als einzigartig gelten könne.
Dahlke hatte damals ein besonders freundliches Programm, ganz und gar zugeschnitten auf die kleine Orgel, zusammengestellt. Und eben diese Auswahl war nun auch Thema einer Matinée im Rahmen des Orgelfrühlings. Fanny Hensel-Mendelssohns „Hochzeitsmusik zur eigenen Vermählung mit dem Maler Heinrich Hensel“ stand am Beginn, gefolgt von eingängigen Variationen, Rondos und Cantabiles von Justin Heinrich Knecht, Christian Heinrich Rinck und Nicolas Jaques Lemmens. Sie zeigten das Klangvermögen des kraftvollen Werkes, wobei Lemmons Fanfare in D-Dur am Schluss stand und den festlichen Bezug zum Beginn des Konzertes herstellte.
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events
In diesem Beitrag erwähnt
Krummhörner Orgelfrühling 2026
Orgelkonzert-Reihe in der Krummhörn.