So wünscht man sich Lesungen!

Das 13. Konzert der „Gezeiten“ führte in die reformierte Kirche Bargebur und stellte Musik und Text in einen spannungsvollen Kontext

Viel „Handarbeit“: Heikko Deutschmann
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Karlheinz Krämer

Viel „Handarbeit“: Heikko Deutschmann

Bargebur. Das war ein harter Brocken an einem frühsommerlichen Tag. In der Barockkirche zu Bargebur traf Musik auf Wort – ergänzend und dennoch auch kontrastierend. Heikko Deutschmann las Texte von Franz Kafka, Ulf Schneider und Stephan Imorde spielten Kompositionen von Zeitgenossen des Literaten: Leoš Janáček, Bohuslav Martinů, Zdeněk Fibich, Vítězslava Kaprálová und Josef Suk.

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Las und spielte die Texte von Franz Kafka: der Schauspieler Heikko Deutschmann

Las und spielte die Texte von Franz Kafka: der Schauspieler Heikko Deutschmann

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Heikko Deutschmann
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Heikko Deutschmann
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Geht es bei Kafka vor allem um die Darstellung innerer Zustände, die sich teilweise jeder rationalen Erklärung entziehen, so folgt die Musik diesem filigranen Suchen nach Sinn und Verständnis. Dabei machte es auch nichts, dass die Werke von Suk und Janáček für die Erzählungen Kafkas fragmentiert wurden – sie sind stark genug, um auch so zu bestehen.

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Sorgten für den konzertanten Anteil: Violinist Ulf Schneider …

Sorgten für den konzertanten Anteil: Violinist Ulf Schneider …

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Die Erzählungen mündeten in die berühmte Geschichte vom „Hungerkünstler“, der in seinem Käfig vergessen wird und stirbt. Der zynische Blick auf eine zirzensische Attraktion, die es so tatsächlich gegeben hat, öffnet den Blick auf das „brotlose“ Künstlertum und wirft exemplarisch den Blick auf das Unverständnis zwischen Handlung und Rezeption. Dazu gesellten die Musiker ein Adagio von Janáček, eine Elegie von Kaprálová und – ganz zum Schluss – eine kraftvolle Burleske von Suk, die geeignet war, die blutleere, beunruhigende Prosa des Tschechen ein wenig aufzuhellen. Ganz depressiv sollten die Besucher in der ausverkauften Kirche zu Bargebur nun doch nicht nach Hause gehen.

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… und sein Kollege, der Pianist Stephan Imorde

… und sein Kollege, der Pianist Stephan Imorde

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Deutschmann ist Profi – und das war gut, denn er las nicht nur, er spielte die Texte – ganz stark im „Kübelreiter“, in dem das freiwillige Hungern durch das überhaupt nicht freiwillige Frieren ersetzt wird. Deutschmann gab den Stimmen im Text Eigenleben und Charakter. So wünscht man sich Lesungen!

Die beiden Musiker sind ein eingespieltes Team und veranstalten öfter Text-Ton-Abende, wie dem – wie stets – höchst informativen Programmheft zu entnehmen war. So sind sie trainiert, zum rechten Zeitpunkt einzusetzen oder Musik zu gliedern. Gerade in Passagen, in denen Text und Musik eng aufeinander bezogen waren und quasi atemlos ineinander übergingen, gelang das sehr gut. Ulf Schneider und Stephan Imorde sind eben ausgesprochen gute Instrumentalisten, die ihr Konzept absolut sicher und einfühlsam präsentierten. Dazu gehörten auch die kleinen Miniaturen – etwa Fibichs Andantino „Helle Nächte“ oder die beiden Arabesken von Martinů. Also – eine ausgesprochen gelungene Konzert-Lesung.

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Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.