Tolle Gemeinschaftsleistung

Die Friesenbühne spielt derzeit das Stück „Dat Hörrohr“ von Karl Bunje im Lüttje Huus in der Emder Brückstraße

Zwei, die sich nicht ausstehen können: Opa Meiners (Werner Nörtker) und Arnold (Dajo Kaiser)
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Wolfgang Mauersberger

Zwei, die sich nicht ausstehen können: Opa Meiners (Werner Nörtker) und Arnold (Dajo Kaiser)

Emden. Die Friesenbühne hat ein Lustspiel aktiviert, das historisch genannt werden darf. Mit „Dat Hörrohr“ von Karl Bunje entstand ein Stück der Nachkriegszeit neu. Und die Bühntjer hatten sich ins Zeug gelegt: die Kleidung, die Schuhe, die Requisiten – alles passte. Dazu kam eine Inszenierung, die alles aus dem Text herausholte, was möglich war. Regisseurin Birgit Frerichs hatte die Auftritte des Teams exakt getimt. Die neun Spieler auf der Bühne waren so textsicher, dass sich ein wirkliches Spiel entwickelte, dass die Handlung vorantrieb. 
 

Bild
Zwei dominante Frauen, zwei unterdrückte Männer: Gitta Nörtker (Bertha), Steffen Wulff (Jochen), Dirk Groenewold (Tobias) und Jana Iken (Lieschen)

Zwei dominante Frauen, zwei unterdrückte Männer: Gitta Nörtker (Bertha), Steffen Wulff (Jochen), Dirk Groenewold (Tobias) und Jana Iken (Lieschen)

Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Wolfgang Mauersberger

In der Paraderolle als nahezu tauber Opa Meiners glänzte Altmeister Werner Nörtker mit sprechendem Minenspiel und einer gespielten Schwerhörigkeit, die schnell zum bestimmenden Element der Handlung wurde. Köstlich - sein hintersinniger Trick mit der Mausefalle und das Wechselspiel der Hörrohre. Großartig agierte Gitta Nörtker als Bertha, die eine ganze Palette fieser Hinterhältigkeiten beherrscht. Auffallend war die Geschlossenheit der Team-Leistung: Steffen Wulff als unterdrückter Ehemann, der schließlich in einer Orgie mit dem langsamen Tobias (Dirk Groenewold) ein tolles Beispiel für die schauspielerische Kunst der Betrunkenheit auf der Bühne lieferte. Inse Nörtker und Moritz Metzner gaben das jugendliche Liebespaar, das zugleich zur Lösung des Falles beiträgt. Beide sind textsicher und bühnenaffin. Und besonders Inse Nörtker zeigt sich – zum vermehrten Mal – als besonders wendig im Umgang mit ihrer Rolle. Moritz Metzner muss noch ein klein wenig an seiner Artikulation arbeiten, aber der Sympathiefaktor lag ganz auf seiner Seite.

Eine wirkliche Bereicherung der Truppe ist Jana Iken, die als Lieschen eine tolle Leistung präsentierte. Frech, kess, mit knallroter Perücke war es ein Genuss, sie und ihre Aktionen zu beobachten. Dajo Kaiser, mittlerweile ein Urgestein der Friesenbühne, gab den zwielichtiger Arnold in herrlicher Retro-Karo-Kleidung und tobte sich als Betrüger in amüsanter Weise vor dem Publikum aus. Als steifer Rechtsanwalt Fesenfeld brachte Peter Bruns einen Hauch von Beamtentum auf die Bühne.
 

Bild
Das jugendliche Liebespaar: Inse Nörtker und Moritz Metzner

Das jugendliche Liebespaar: Inse Nörtker und Moritz Metzner

Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Wolfgang Mauersberger

Besonders schön gelang die Einleitung von Birgit Frerichs, die das Publikum mit historischen Fakten aus den 50ern auf die Veranstaltung einstimmte. In der Pause spielte Karl-Peter Frerichs, der für Licht und Ton sorgte, mit dem Bibi Johns-Schlager „Bella Bimba“ für entsprechendes Flair. Das Publikum reagierte mit ganzer Begeisterung auf das Stück, das wohl bei allen Anwesenden Erinnerungen an eine Zeit erweckte, in der das Geld knapp, der Zusammenhalt enger, die Menschen aber letztlich dieselben waren wie heute.

Worum es in dem Stück geht? Opa Meiners, streng, misstrauisch und distanziert aufgrund seiner Taubheit, besitzt Hof und Land. Schwiegertochter Bertha will ihre Pläne von einem Café verwirklichen und den Alten übervorteilen. Unterstützt wird sie von ihrem ehemaligen Freund Arnold, der aber ein Pleitegeier ist, der seine Ehemalige finanziell erleichtern will. Knecht Bernd tauscht die Hörrohre des Alten aus. Opa Meiners bekommt nun alles mit: Beleidigungen, Planungen, Bösartigkeiten. Und er erweist sich als angemessener Gegner, um eine grundlegende Veränderung in die Wege zu leiten …

Veröffentlichungsdatum
Publiziert von

Wolfgang Mauersberger

(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events

In diesem Beitrag erwähnt

Theater

Lüttje Huus

Adresse
Brückstr. 62, Emden

Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.