Tosender Beifall für einen meisterhaften Organisten
Der Krummhörner Orgelfrühling hat mit einem spektakulären Konzert auf Orgel und Virginal in Uttum begonnen
Uttum. Nach der Zugabe konnte man das Konzert getrost mit einem Lächeln verlassen, getragen von der Gewissheit, dass „distracted times“ (verwirrte Zeiten) immer irgendwann zu Ende sind und der menschliche Optimismus letztlich obsiegt.
Bernhard Klapprott an der Uttumer Orgel von 1660
Im Eröffnungskonzert des Krummhörner Orgelfrühlings ging es mit Blick auf das diesjährige Motto „In spe gaudentes“ (Seid fröhlich in der Hoffnung“) um Befindlichkeiten zwischen Melancholie und Hoffnung, wie Bernhard Klapprott, Professor für historische Tasteninstrumente, es formulierte und auf Orgel und Virginal präsentierte. Er gestaltete ein Konzert mit weltlicher Alter Musik der Superlative, das dieses Spektrum in musikalisch und spielerisch dichter Form umgriff. Dabei gab es in dem groß angelegten Programm, das Werke niederländischer, englischer und deutscher Komponisten vereinte, eine Fülle von Wechselbeziehungen – bei den Tonschöpfern, aber auch bei den Möglichkeiten, die das Motto eröffnete.
Das Publikum zeigte sich von Programm und Präsentation völlig begeistert
Zweimal trieb Klapprott dieses Bezugnehmen – wohl kalkuliert – auf die Spitze. Thomas Tomkins „A sad Pavan for these distracted times“ - ein Zeugnis tiefster Beklommenheit - stand in einem direkten Gegensatz zu „My choice I will not change“. Und dieses Werk barg wunderbare Variationen im Stil der englischen Virginalisten des 16. Jahrhunderts – und eine Überraschung. Denn das kleine Thema, das John Bull dazu komponiert hatte, wurde nicht von dem englischen Meister weiter ausgeformt, sondern von Klapprott 2023 durchkomponiert und vollendet. Die wenigen Noten, die von dem Engländer überkommen sind - eigentlich nur ein Gedankenblitz -, fanden bei Klapprott eine meisterliche Fortführung, die sich ins Opulente steigerte und die das Virginal geradezu erbeben ließ. (Das Virginal ist ein kleines Cembalo, bei dem die Saiten quer zur Tastatur liegen und das einen ganz zauberhaften, lieblichen Klang aufweist.)
Der Professor für historische Tasteninstrumente spielte auch ein Virginal von 1965, das nach einem Original von 1580 gebaut wurde
Zum zweiten wählte der Organist als Schlussstück, das er auf der Renaissance-Orgel spielte, ein bekanntes Werk des niederländischen „Organisten-Machers“ Jan Pieterszoon Sweelinck. Bei „Onder der linde groen“ konnte Klapprott buchstäblich alle Register ziehen und gestaltete einen großartigen Schlusspunkt. Dieser wurde aber womöglich noch getoppt durch eine Zugabe, ein kleines Stück von Thomas Tomkins, das mit der Oktave 4 Fuß gespielt wurde. Es handelt sich dabei um originale Pfeifen des 16. Jahrhundert, und sie seien sein Lieblingsregister an dieser Orgel, bekannte Klapprott. Tosender Beifall belohnte den meisterhaften Organisten, der an diesem Abend zudem bewies, dass er auch ein großer Pädagoge ist. Zur Uttumer Orgel habe er ohnehin ein ganz besonderes Verhältnis, erläuterte Klapprott. Vor 30 Jahren habe er an diesem Instrument das Gesamtwerk von Thomas Tomkins einspielte.
Schneller Einsatz: Orgelbaumeister Bartelt Immer wirft vor Konzertbeginn noch einen Blick in die Orgel
„Man fühlt sich hier wohl“, versicherte der Organist. Und das galt ganz offensichtlich auch für die Besucher, die sich nicht nur am üppigen Blumenschmuck in Kirche und Gemeindehaus, sondern im Anschluss an das Konzert auch an der uneingeschränkten Gastfreundschaft der Gemeinde erfreuen konnten. Der Frauenkreis hatte es sich nicht nehmen lassen, einen Imbiss vorzubereiten. Der trug dazu bei, dass der Abend sich gehörig verlängerte, denn wer wollte sich schon die leckeren Suppen entgehen lassen? Auch diese warme Freundlichkeit, die Uttum auszeichnet, passte ganz zum Motto des Festivals.
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events
In diesem Beitrag erwähnt
Krummhörner Orgelfrühling 2026
Orgelkonzert-Reihe in der Krummhörn.
Der Kalender zum Orgelfrühling
Fotograf Wolfgang Mauersberger hat zum zweiten Mal einen Tischkalender zum Krummhörner Orgelfrühling herausgegeben