Über die Kunst der Reduktion

Die Bürgerstiftung Norden hatte die Bremer Shakespeare Company eingeladen, und die Theatergruppe brachte im Norder Theater den „Sommernachtstraum“ auf die Bühne

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Norden. Wenn das gelbe Innenfutter einer Jacke zur Löwenmähne wird, ein Handtuch zu langen blonden Haaren, eine Mütze zum Zaubermittel, Hände zu Eselsohren, Puppen zu Mitspielern, Gemüsekisten zum Thron, Holzkisten zur Schlafstatt – dann kann man davon ausgehen, dass die Shakespeare Company am Werk ist. Denn die Kunst absoluter Reduktion, die nicht nur das Bühnenbild, sondern auch die Anzahl der Schauspieler betrifft, ist das, was die Company perfekt beherrscht. In diesem Fall verkörperten vier Schauspieler die 20 Rollen der Komödie. Dabei wurde jeweils die Oberbekleidung zum markanten Unterscheidungsmerkmal.

Dennoch. Die Geschichte – angesiedelt im Reich der griechischen Mythologie - ist kompliziert, schließlich verknüpft Shakespeare vier Handlungsstränge kunstvoll miteinander. Und - auch wenn die Company die Sprache vereinfacht, teilweise sogar mit modernen Sprengseln versetzt hatte, blieb die grundsätzliche Verschränkung von Blankvers und Prosa erhalten, so dass man letztlich immer noch das Gefühl hatte, sich im Shakespeare’schen Theatermodus zu befinden.

Svea Auerbach, Magdalena Simmel, Tim Lee und Simon Elias boten im Norder Theater zweieinhalb Stunden lang erstklassige Theaterkost auf einer relativ kleinen Bühne. Ihr Rollen-Karussell schien sich dabei immer schneller zu drehen. Und man musste sich manchmal wirklich wundern, dass bei den schnellen Umkleidungen auf offener Bühne nichts vergessen wurde, jedes Detail am richtigen Ort und jede Person immer an der richtigen Stelle auftauchte. Dass das Publikum dabei nicht nur zum Zusehen und Genießen kam, sondern auch zum Mitdenken eingespannt wurde, war angesichts der komplexen Inhalte kein Wunder.

In der Rahmenhandlung geht es um die Hochzeit des Herzogs von Athen, Theseus, und der Königin der Amazonen, Hippolyta. Sodann wird eingefügt die Geschichte zweier Paare: Hermia, die in Lysander verliebt ist, soll nach dem Wunsch ihres Vaters den Demetrius heiraten. In den aber hat sich Hermias Freundin, Helena, unsterblich verguckt. Inzwischen probt eine Gruppe von Handwerkern eine „tragische Komödie“ rund um ein weiteres Liebespaar, Pyramus und Thisbe. Der vierte Handlungsstrang spielt sich im Reich der Elfen ab, wo das Königspaar Oberon und Titania im Ehestreit liegen. Diese Ebenen verheddern sich nun immer weiter – unter anderem auch wegen eines Liebestranks und des kleinen Kobolds Puck, den Magdalena Simmel – als eine ihrer vielen Rollen – ganz hinreißend spielte.

Das Schauspieler-Quartett, das zudem instrumental und sängerisch bestens unterwegs war, nutzte für sein Spiel übrigens nicht allein die Bühne, sondern tollte auch durch den Zuschauerraum – bei der Bremer Company ein gern genutztes Mittel zur Intensivierung komischer Effekte und zur Steigerung des Tempos. Während sich nun letztlich alles zum Besten wendet und Puck in seiner abschließenden Ansprache ans Publikum dieses aus der traumhaften Bühnenwelt in die Realität zurückführt, bleibt ein Fakt als Rätsel bestehen. Warum trugen die Spieler schwere Arbeitshosen und dicke Stiefel, und warum tauchten immer wieder Bundeswehr-Klamotten auf? Aber was wäre Theater ohne unbeantwortete Fragen? Und was wären Fragen, ohne die befriedigende Feststellung, dass das Publikum bestens unterhalten wurde?

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Theater Norden

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Osterstraße 50, Norden

Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.