Wandbild erinnert an Wilhelmine Siefkes
Neuestes Werk von Künstler Germar Claus im Garten des Bürgerhauses Jemgum
Im Garten des Bürgerhauses in Jemgum würdigt seit Mai ein Wandbild die Schriftstellerin Wilhelmine Siefkes (1890–1984), die in Jemgum als junge Lehrerin tätig war und hier prägende Erfahrungen für ihr späteres literarisches Schaffen sammelte. Siefkes schrieb vor allem auf Niederdeutsch. Sie beeindruckte neben ihrem künstlerischen Schaffen, auch mit ihrer Haltung während der Zeit des Nationalsozialismus: Wilhelmine Siefkes verweigerte die ideologische Anpassung und unterschrieb keine entsprechende Loyalitätserklärung.
Geschaffen wurde das Wandbild vom Leeraner Künstler Germar Claus. Über mehrere Tage hinweg entstand das Wandbild. Am 9. Mai lud das Bürgerhaus dann zur offiziellen Eröffnung ein, bei der Claus selbst noch einige Worte über sein Werk an das Publikum richtete und betonte, weshalb ihm ein Porträt dieser besonderen Frau am Herzen liege. Das Wandbild solle zum Nachdenken anregen und die Betrachter ermutigen, sich über die Autorin zu informieren.
Germar Claus am Werk
„Es war ein befremdliches Gefühl ein Hakenkreuz zu malen“, sagte der Künstler, „aber es war mir eine Freude es wieder durchzustreichen.“ Das durchgestrichene Symbol verweist auf Siefkes' Entscheidung, die Loyalitätserklärung gegenüber dem NS-Regime nicht zu unterschreiben. Laut Claus sei eine Auseinandersetzung mit starken Figuren wie Wilhelmine Siefkes aktuell wichtiger denn je.
Im Zentrum des Bildes steht Siefkes in fortgeschrittenem Alter, dargestellt mit einem Buch in der Hand. Links ist sie als junge Frau dargestellt. Das Zitat im oberen Bereich – „Der Mensch ist aber weder gut noch böse, die Fähigkeit zu beidem ruht in ihm.“ – stammt aus ihrem autobiografischen Werk Erinnerungen und steht für ihr differenziertes Menschenbild. Es verweist auf ihre Auseinandersetzung mit moralischen Fragen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Das Zitat im rechten unteren Bereich – „Hier in Jemgum erlebte ich, wie schön diese Sprache war“ – greift Gedanken aus Erinnerungen auf und unterstreicht die prägende Rolle der plattdeutschen Sprache. Es markiert den Ausgangspunkt ihres literarischen Denkens und macht deutlich, wie eng Ort, Sprache und Erfahrung miteinander verbunden sind.
Im unteren Bildbereich ist ihr Geburtshaus in der Rathausstraße in Leer dargestellt. Es steht stellvertretend für ihre Herkunft und ihre lebenslange Verbundenheit mit der Region. Das Wandbild verbindet biografische Elemente mit symbolischen Darstellungen und macht zentrale Aspekte ihres Lebens sichtbar: Herkunft, Bildung, Sprache und eine klare, unbeugsame Haltung.
Das Bürgerhaus Jemgum ist von der Umsetzung des Künstlers begeistert und freut sich, eine besondere Frau, die in Jemgum lebte, auf diese Weise ehren zu können. Besonders bedankt sich der Verein bei Germar Claus für die großartige Zusammenarbeit und bei der Stiftung Niedersachsen, die dieses Projekt unterstützt hat.