„Wir hatten nie einen Plan B!“
Die historische Orgel in der Kirche zu Uttum stand im Mittelpunkt einer ungewöhnlichen CD-Aufnahme, die am 4. September auf den Markt kommen wird
Uttum. Als sie 2024 eingeladen wurde, das Eröffnungskonzert des Krummhörner Orgelfrühlings zu spielen, da war Alina Rotaru beglückt. Die gebürtige Rumänin, die seit 1999 in Deutschland lebt und arbeitet, sagte damals, dass sie schon lange auf eine Einladung gewartet habe, und nun könne sie gar nicht glücklicher sein, diese Orgel spielen zu dürfen. Für den Anlass hatte Rotaru ein Programm mit Musik aus dem litauisch-polnischen Kulturkreis des 16. bis 18. Jahrhunderts zusammengestellt, das mit großer Begeisterung aufgenommen wurde: „Dulcis Memoria. Orgelmusik aus der polnisch-litauischen Adelsrepublik“.
Verfolgen ein gemeinsames Projekt: Dr. Ibo Ortgies und Alina Rotaru
Im Publikum saß damals auch der Musikhistoriker Dr. Ibo Ortgies, der lange Jahre am Göteborg Organ Center der Universität Göteborg gearbeitet hatte, wo historische Tasteninstrumente erforscht werden. Ortgies fing sofort Feuer. Der Wissenschaftler war der Meinung, dass man diese Musik unbedingt auf eine CD bannen sollte, und machte sich nach dem Motto „Nur das Beste ist gut genug für solch ein Vorhaben“ umgehend an die Umsetzung. Dabei gab es nur einen Anlauf. „Wir hatten nie einen Plan B“, versicherte Ortgies bei einem Gespräch mit dem KultinO-Magazin. Ortgies stellte den Kontakt zum Tonmeister Erik Sikkema im schwedischen Surte her. „Er ist der Beste für ein solches Vorhaben.“ Er selber fungierte als Produzent. Und im Mai 2025 wurde die Aufnahme an der Uttumer Orgel dann umgesetzt, um „das schöne Spiel Alinas und die unvergleichlich klangschöne Orgel so gut einzufangen, wie es heute nur möglich ist“, so Ortgies.
Für die Aufnahme wurde genügend Zeit eingeplant. Vier Tage hatte Ortgies vorgesehen, doch nach knapp zweieinhalb Tagen stand die Aufnahme. „Alina ist ein solcher Profi und war so gut vorbereitet, dass es wesentlich schneller ging.“ Die Organistin besitze die Gabe, dem Instrument zuzuhören und sich auf die Orgel einzulassen. „Das ist selten“, betont Ortgies. Außerdem habe die Zusammenarbeit mit der Gemeinde sehr gut geklappt. So fügte sich eines ins andere, und nun soll die CD Anfang September auf den Markt kommen. Es sei die erste Aufnahme, die seit der grundlegenden Orgelsanierung 2021 / 2022 in Uttum entstanden sei. Um die Finanzierung abzusichern, suchen der Wissenschaftler und die Organistin noch nach Unterstützern.
Die Renaissance-Orgel von Uttum wurde um 1660 unter Verwendung von Pfeifen, die wesentlich älter sind, von einem unbekannten Meister gebaut. Sie verfügt über neun Register auf einem Manual. Ein Pedal ist nicht vorhanden. 2021/22 wurde das Instrument in der Werkstatt Hendrik Ahrend in Loga restauriert. 2021 erhielt sie von der Stiftung Orgelklang die Auszeichnung „Orgel des Jahres“.
Die polnisch-litauische Adelsrepublik entstand 1569, als sich Polen und Litauen zu einem gemeinsamen Staatswesen vereinten. Die Adelsrepublik war einer der größten Territorialstaaten Europas. Gut zwei Jahrhunderte später verschwand der Staat wieder, um dann – politisch zerrüttet – unter Preußen, Österreich und Russland aufgeteilt zu werden.
⏵ Kontakt zu Ibo Ortgies:
ibo.ortgies@googlemail.com
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events