Bargebur. Vier Concerti – vier Statements. Musik von höchstem Reiz, gespielt von einem Ensemble, das mit viel Freude musizierte und dabei die schöne weltliche Musik des Barock klangvoll in einen Raum stellte, der aus derselben Zeit stammt wie die Kompositionen. Jedes Solo-Konzert stellte auf seine Art eine Besonderheit dar – vor allem für den Initiator des Projektes, Reinhard Böhlen, der selber das zweimanualige Cembalo von Dietrich Hein spielte, das dieser einem Original von Michael Mietke nachempfunden hatte. Dieses Instrument wurde erst kürzlich, ebenfalls in der Kirche von Bargebur, vorgestellt (das KultinO-Magazin berichtete).
Das Ostfriesische Barockensemble: Bodo Lönartz, Ulfert Dochhorn, Reinhard Böhlen, Galina Roreck, Ralf Tischer, Christoph Otto Beier und Carl-Marcus Weitz
Da war Bachs Sinfonia h-moll aus der Kantate „Non che sia dolore“, eine von nur zwei Vertonungen eines italienischen Textes, die er je geschrieben hat. Da war Vivaldis Concerto in G-Dur aus der „launischen Harmonie“ mit der Violine als Soloinstrument – ein Aufbruch in so neue Sphären, dass Bach, Zeitgenosse Vivaldis, zwei Werke dieses Konvolutes bearbeitete. Die Verflechtung der Komponisten, die Wertschätzung Bachs für Vivaldi, wurde auch im Cello-Konzert des Venezianers deutlich – harmonisch nicht einfach, aber mit prachtvoller Wirkung.
Moderierte: Cellist Christoph Otto Beier inmitten seiner Musikerkollegen
Und dann steuerte das siebenköpfige Ensemble auf den Höhepunkt des Abends zu – Bachs 5. Brandenburgisches Konzert mit den langen Cembalo-Passagen, in denen das Mietke-Instrument von Hein seine ganze klangliche Schönheit präsentieren konnte. Cellist Christoph Otto Beyer, der das Konzert moderierte, sprach bei dem Werk vom „ersten Klavierkonzert der Geschichte“ – welch eine schöne Wertschätzung für dieses klanglich überwältigende Werk, das man einfach live hören muss, um seine unvergleichliche Strahlkraft erfassen zu können.
Blick von der Prieche der Familie Inn- und Knyphausen in den gut besuchten Kirchensaal
Und so gestalteten die sechs Musiker und eine Musikerin einen Abend, der vom Publikum mit großer Anteilnahme begrüßt wurde. Den Auftakt kommentierte eine Besucherin mit der wertschätzenden Bemerkung „Meine Güte!“, das zweite Werk entwickelte sich zu einem geradezu intimen Gespräch zwischen Traversflöte, Geige und Cembalo. Im Cellokonzert ergriffen die temperamentvollen Kräfte des Komponierens die Vorherrschaft, und im Schluss-Werk vereinigten sich alle Instrumente zu einem Wohlklang der besonderen Güte.
Den Applaus beantworteten Galina Roreck (Violine), Ulfert Dochhorn (Violine), Bodo Lönartz (Viola), Christoph Otto Beyer (Violoncello), Carl-Marcus Weitz (Violone), Ralf Tischer (Traversflöte) und Reinhard Böhlen (Cembalo) mit einem nochmaligen Gang in das barocke Venedig – mit dem 1. Satz des G-Dur-Konzertes von Antonio Vivaldi – getreu dem Motto, dass man Gutes gar nicht oft genug hören kann. Das Konzept von Böhlen – ein „Concerto“ mit zugleich anspruchsvoller und klangstarker Musik von zwei großen Komponisten des Barock zu präsentieren – ging zur Gänze auf.
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events
In diesem Beitrag erwähnt
Eine Sternstunde in Bargebur
Der Organist und Cembalist Bernhard Klapprott hat in der reformierten Kirche Bargebur ein neu gebautes Cembalo in einem intensiven Konzert vorgestellt