Zeitreise und Spurensuche
Die Johannes a Lasco Bibliothek eröffnet am Sonntag, 15. März, um 11.30 Uhr eine neue Ausstellung, die sich dem Oldersumer Religionsgespräch von 1526 widmet.
Emden. Vor 500 Jahren gab es ein Aufeinandertreffen des „alten“ katholischen und des „neuen“ evangelischen Glaubens. Das Gespräch fand in der Alten Kirche von Oldersum statt. Eingeladen hatte Junker Ulrich von Dornum (1465/66 bis 1536), der damals Herr der Hälfte der Herrlichkeit Oldersum war. Für die evangelische Seite argumentierte der Prediger Jürgen Aportanus, für die katholische der Groninger Dominikaner-Prior Dr. Laurens Laurensen. In der Ausstellung „500 Jahre. Das Oldersumer Religionsgespräch von 1526“ nimmt der wissenschaftliche Mitarbeiter der Bibliothek, Dr. Klaas-Dieter Voß, die Besucher mit auf eine Zeitreise und zugleich auf eine Spurensuche.
Zwei Berichte über das Gespräch, das am Beginn der Reformation in Ostfriesland steht, haben die Zeiten überdauert. Beides sind Unikate, wobei die Publikation von Laurens Laurensen im Königlichen Archiv in Den Haag lagert. Es bedurfte einiger Überzeugungsarbeit von Voß, um das Exponat nach Emden zu holen. Die Ausstellung beleuchtet das damalige Geschehen, wirft einen Blick auf das Umfeld, nimmt aber das alte Oldersum und seine architektonischen Besonderheiten in den Blick. Dank der reformierten Gemeinde Oldersum und des Heimatvereins können Exponate gezeigt werden, die man wohl als „Zeitzeugen“ des Religionsgesprächs bezeichnen kann. Zu sehen sind unter anderem: Relikte der alten Kirche, ein besonderes Stück der Burg, Modelle und sehr viele Ansichtskarten, die die historischen Gebäude von allen Seiten beleuchten.
Diese Objekte bewahrt die reformierte Gemeinde Oldersum auf. Sie stammen aus der alten Kirche, die 1916 abbrannte
In der begleitenden Sonntagsmatinée werden einige thematisch-musikalische Zielsetzungen der Reformationszeit skizziert, wie die Leiterin des Formates, die Sopranistin Vilma Pigagaitė, ankündigt. „In dieser Zeit gerieten viele Kunstschaffende in ganz Europa in Glaubens- und Gewissenskonflikte und mussten sich zwischen dem Althergebrachten und den neuen religiösen Entwicklungen positionieren.“ Und so wird Musik von Ludwig Senfl (1490 bis 1543), einem schweizerischen katholischen Komponisten, der einen regen Austausch mit Martin Luther und anderen Reformatoren pflegte, ebenso erklingen wie Kompositionen von den Italienern Claudio Monteverdi, Giovanni Giacomo Gastoldi und Albert de Rippe, von dem Deutsch-Italiener Johann Hieronymus Kapsberger und dem Engländer John Dowland.
⏵ Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events