Die Überraschung gelang: Als Walter Ruß, Sprecher des LiteraturFestes Wittmund, den Namen des Gewinners des erstmals verliehenen Literaturpreises Wittmund nannte, zeigte sich der Angesprochene völlig überrascht. Gewinner 2025 ist Gerd Constapel aus Leer-Loga.
Moderator und Mitglied des Organisationsteams Lothar Englert lobte die literarische Leistung des 87‑jährigen: „Vollendete niederdeutsche Lyrik. In Rhythmus und Form einzigartig. Wer gekonntes Wortspiel liebt, eines, das weder Jambus noch Trochäus braucht, zudem noch in autochthoner Sprache mit prächtigen Bildern zur Ausdrucksstärke findet, der wird in der Kunst von Gerd Constapel in reichem Maße fündig werden.“ In dem 2010 veröffentlichten schmalen Gedichtband „olldagsland“ (Alltagsland) und in der Sammlung „Stoom“ legt Constapel Gedichte in seiner plattdeutschen Muttersprache vor, in denen er seine ostfriesische Heimat realistisch in den Sprachbildern und poetisch in der Wortwahl beschreibt. Die beigegebenen Übersetzungen ins Hochdeutsche zeigen seine sprachliche Vielfalt und sein Können.
Der Preis ist mit 500 Euro dotiert. Wittmund wird mehrfach von Preis und Preisträger profitieren, denn mit der Verleihung ist der Wunsch verbunden, dass der Preisträger einen Text über die Stadt oder die Landschaft um Wittmund verfasst und dem LiteraturFest widmet.
Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen überraschte sowohl Gerd Constapel als auch die Organisatorinnen und Organisatoren des LiteraturFestes ein weiteres Mal. Er zeichnete Constapel mit dem silbernen W für Wittmund als Anstecknadel aus und lud den Dichter ein, sich in das Goldene Buch der Stadt einzutragen. Das Publikum in der nahezu ausverkauften Peldemühle spendete reichlich Applaus.
Kurz zuvor war Gerd Constapel bereits als Vortragender beim Weltliteratur-Abend aufgetreten. Dort begeisterte er mit plattdeutschen Übertragungen von Sonetten Shakespeares und Gedichten von W. B. Yeats das Publikum und durch seine markante Stimme.
Diesen Abend gestalteten zudem Femke Rickerts (Stedesdorf), Wolfgang Steinborn (Accum) und Walter Ruß (Jever/Wittmund) mit einer Gruppenperformance von Übertragungen aus dem Englischen. Lebendig, humorvoll und tiefsinnig boten sie Texte von Shakespeare bis Gibran Khalil Gibran dar. Das Publikum bedachte auch sie mit viel Applaus, ebenso wie an den Abenden mit Max Frischs Fragebögen, dem Programm aus Ostfriesland und beim Abend der Talente. Glückliche Autorinnen und Autoren nahmen den Beifall gerne entgegen.
Schirmherr Rico Mecklenburg, Präsident der Ostfriesischen Landschaft, hatte bei der Eröffnung die nachhaltige Bedeutung des kulturellen Engagements in der Harlestadt hervorgehoben.
Alles in allem ziehen die Organisatorinnen und Organisatoren eine weit mehr als zufriedene Bilanz. Walter Ruß fasst zusammen: „Das Konzept funktioniert und das Publikum nimmt unsere Ideen sowie die Künstlerinnen und Künstler an.“ Für 2026 laufen bereits Planungen; es wird ein fünftes LiteraturFest geben. „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“
Auf dem Bild: Gerd Constapel, Walter Ruß (LiteraturFest)
© Walter Ruß, LiteraturFest Wittmund
Peter Kremer (OKK), Anja Fimmen (Stadtbücherei), Hans Sakowski (Musiker), Helma Ruß-Bittner und Walter Ruß (LiteraturFest), Rico M., Norbert Knitsch (Schauspieler TAG Theater), Rolf Claußen (Bürgermeister WTM), Lothar Englert (LiteraturFest)
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LiteraturFest Wittmund
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