Ostfriesland-Saga 1: Wege über den Fluss

Filmreihe über eine untergegangene Welt: Edmund Ballhaus öffnet sein Archiv

Dreharbeiten am Fluss
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Edmund Ballhaus

Dreharbeiten am Fluss

Noch lange nach dem Krieg, als die beiden Emsbrücken zerstört waren, bestimmten Fähren den Alltag an der Küste: Der Fluss war ein echtes Hindernis, eine natürliche Grenze zwischen dem Rheiderland und dem Rest Ostfrieslands. Die Emder nannten die Dörfer jenseits des Wassers „Entje von de Welt“ – und wer die Fähre nahm, musste Zeit mitbringen.

Vorbeiziehende Schleppkähne und Frachtschiffe verzögerten die Überfahrt und ließen das andere Ufer wie eine ferne, fast unerreichbare Welt erscheinen. Diese Geduld, dieses gemessene Zeitmaß, das Warten als Teil der Reise, wirkt heute fast fremd in einer Welt, in der wir per Mausklick oder Flugticket alles sofort vor Augen haben. Der Film macht diese verlorene Erfahrung sinnlich erfahrbar und lädt dazu ein, die Küste neu zu sehen: als Raum, in dem Entfernungen noch Gewicht hatten und Zeit eine andere Bedeutung besaß.

Sehen Sie diesen eindrücklichen Film – und lassen Sie sich von einer Vergangenheit überraschen, die uns mehr über unser heutiges Tempo verrät, als wir denken.

(2006/2007, 45 Minuten)

Zusätzlich zur Filmvorführung erläutert Dr. Edmund Ballhaus in einem Vortrag die Zutaten seiner unverwechselbaren Handschrift: eine wohl einmalige Fotosammlung als Fundus, die konsequente Bewahrung des Plattdeutschen, die Arbeit mit einer stativlosen Kamera, die in langwierigen Prozessen gewonnene Nähe zu den Protagonistinnen und Protagonisten, die Suche nach besonderen Drehorten und nicht zuletzt der gezielte Einsatz eines leisen „Blues“, der den Bildern jede folkloristische Verklärung nimmt.

Filmreihe über eine untergegangene Welt: Edmund Ballhaus öffnet sein Archiv

„Eine Doku‑Serie über Ostfriesland, und alles auf Platt…?“ – so reagierte eine hochrangige Redakteurin des Funkhauses Hannover, erinnert sich Dr. Edmund Ballhaus an die schwierigen Anfänge seiner Reihe, die später als „Ostfriesland‑Saga“ Kultstatus erlangen und mit dem Indigenat der Ostfriesischen Landschaft ausgezeichnet werden sollte.

Fördermittel für Fernsehfilme in Plattdeutsch mit hochdeutschen Untertiteln und ganz ohne gesprochenen Kommentar zu bekommen, war anfangs kaum möglich. Ballhaus beharrte dennoch auf seinem Konzept, die Menschen vor der Kamera in ihrer eigenen Sprache sprechen zu lassen. Keiner seiner elf Dokumentarfilme zur Kulturgeschichte Ostfrieslands enthält einen gesprochenen Kommentar.

Die Filme liefen zwischen 2001 und 2007 im NDR und fanden an der Küste große Resonanz. Der erste Beitrag, „Zum Nachbarn übers Große Meer. Geschichten vom Eis“ (2001/2002), wurde am Nachmittag des Heiligabends ausgestrahlt und wegen des großen Erfolgs wenige Tage später in die Prime‑Time verlegt.

Warum diese Reihe so viel Anklang fand und welche Besonderheiten ihre Arbeitsweise ausmachen, erläutert Ballhaus selbst in der Filmreihe „Die Ostfriesland‑Saga. Dokumentation einer untergegangenen Welt“ – geplant sind fünf Abende, an denen er in umgekehrter Reihenfolge seine Filme präsentieren wird.

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Beteiligte

Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.